RAUM IVBayreuth

Das Bayreuther Festspielhaus wurde als architektonisches, prachtvolles und zugleich innovatives, ja revolutionäres Meisterwerk vom Komponisten selbst zur Aufführung der vier Opern konzipiert, die den Zyklus der Tetralogie bilden. Jenes Abenteuer ist das Ergebnis von fast 25 Jahren des Komponierens, von künstlerischen und philosophischen Überlegungen, aber auch politischer und finanzieller Verhandlungen mit den ganz Großen seiner Zeit. Seine Fortsetzung findet es auch heute noch, wobei es durch die Erben des Komponisten sowohl zu erstklassigen Produktionen als auch zu Ikonoklasmen kommt.

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ANHANG 1:
BAYREUTH …VOR WAGNER

Bayreuth vor Wagner… Kann man sich das überhaupt vorstellen? Ja, die bayerische Kleinstadt hatte auch schon eine Geschichte, bevor ihr Schicksal unwiderruflich mit Wagner verbunden war.

Die Hauptstadt Oberfrankens wird zum ersten Mal von Bischof Otto II. von Bamberg urkundlich erwähnt. Der Ort trägt damals noch den Namen Baierrute (Baier- für Bayer und -rute für Rodung). Es handelt sich zunächst um einen Marktflecken, ein relativ großes Dorf (1199), das erst im Jahr 1231 zur Stadt erhoben wird. (Im gleichen Jahr entstand auch die Charta der Stadt). Bis ins Jahr 1248 gehört die Stadt den Grafen von Andechs-Meranien, bis sie schließlich an die Burggrafen von Nürnberg aus dem Geschlecht der Hohenzollern übergeht.

Die Stadt entwickelt sich ganz friedlich vor sich hin und erhält von Kaiser Karl IV. sogar das Münzrecht. Auf einer geografischen Karte erscheint Bayreuth wiederum zum ersten Mal 1421.

Einige Male hätte allerdings nicht viel gefehlt und Bayreuth wäre von der Landkarte verschwunden. So wird die Stadt einmal von den Hussiten, einem Stamm aus Böhmen, schwer verwüstet. 1634 reduziert eine schlimme Pestepidemie die Zahl der Bewohner auf ein paar Hundert. Die Einwohner Bayreuths nehmen ihr Schicksal jedoch jedes Mal in die Hand und bauen wieder auf, was zerstört wurde.

Im Jahr 1528, also etwas mehr als zehn Jahre nach dem Beginn der Reformation treten die Markgrafen von Bayreuth in einer Mischung aus Mut, Antikonformismus und Libertinismus zum protestantischen Glauben über.

1603 macht Markgraf Christian Bayreuth zur offiziellen Residenz der Markgrafen, ein Wendepunkt in der Geschichte der Stadt. Im Jahre 1610 erweitert er das erste Hohenzollernschloss, also den Vorläufer des heutigen Alten Schlosses, das auf das 15. Jahrhundert zurückgeht, durch einen wunderbaren achteckigen Turm.

Die Bedeutung der Markgrafen von Bayreuth für das politische Leben Deutschlands nimmt über das gesamte 17. Jahrhundert zu. Christian Ernst, der Enkel des Markgrafen Christian, nimmt 1683 sogar an der Befreiung Wiens von den Türken teil.

Ihre Glanzzeit erlebt die Stadt mit der Ankunft von Sophie-Wilhelmine von Preußen, der Lieblingsschwester Friedrich des Großen und Gattin des Markgrafen Friedrich. Bayreuth ist eine stolze, eine wohlhabende Stadt und entwickelt sich sowohl politisch als auch was die Architektur betrifft – insbesondere aufgrund der Bauvorhaben der Architekten Joseph Saint-Pierre und Karl von Gontard – weiter. Die Eremitage, eine Art kleines Versailles und wirkliches Schmuckstück an barocker Architektur – wird wie auch ihre französischen Gärten verschönert. Die fabelhafte Markgrafenoper verkörpert eine Lebensart, auf die man an anderen europäischen Höfen neidisch ist, und zählt mit ihrem kulturellen Reichtum zu den ersten in Europa. So sieht man dort sowohl Voltaire als auch Friedrich den Großen während prächtiger Feste, die Gérard Corbiau in seinem Film Farinelli (1994 vor Ort gedreht) sehr getreu nachzeichnet.

Mit dem Tod der Markgräfin, welche den Aufschwung der Stadt sehr förderte, hat diese Pracht jedoch leider ein Ende. Bayreuth fällt von nun an in einen Dornröschenschlaf, dem Richard Wagner nach 100 Jahren ein Ende bereitet…

NC/SB

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