RAUM IIIWerk

Das Werk von Richard Wagner setzt sich von den Feen bis zu Parsival aus Opern und Musikdramen zusammen. Eine detaillierte Vorstellung jedes einzelnen seiner Hauptwerke wird hier kombiniert mit einem Ensemble mehrerer Artikel zum selben Thema, welche nicht nur den Zusammenhang des jeweiligen Werks mit dem Leben Richard Wagners herstellen, sondern auch den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontext miteinbeziehen. Nicht zuletzt finden Sie in dieser Abteilung bzw. diesem Raum neben Opern auch sämtliche anderen musikalischen Werke Richard Wagners sowie sein literarisches Erbe.

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MVRW-Les-Maitres-Chanteurs-de-Nuremberg-300DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG

Musikdrama in drei Aufzügen

Libretto und Musik von Richard Wagner

Uraufführung :
21. Juni 1868, München (Königliches Hof-und Nationaltheater),
unter der Leitung von Hans von BÜLOW

Besetzung :
HANS SACHS, Schuster, Meistersinger
VEIT POGNER, Goldschmied, Meistersinger (Bass)
KUNZ VOGELSANG, Kürschner, Meistersinger (Tenor)
KONRAD NACHTIGALL, Spengler, Meistersinger (Bass)
SIXTUS BECKMESSER, Stadtschreiber, Meistersinger (Bass)
FRITZ KOTHNER, Bäcker, Meistersinger (Bass)
BALTHASAR ZORN, Zinngiesser, Meistersinger (Tenor)
ULRICH EISSLINGER, Würzkrämer, Meistersinger (Tenor)
AUGUSTIN MOSER, Schneider, Meistersinger (Tenor)
HERMANN ORTEL, Seifensieder, Meistersinger (Bass)
HANS SCHWARZ, Strumpfwirker, Meistersinger (Bass)
HANS FOLTZ, Kupferschmied, Meistersinger (Bass)
WALTHER VON STOLZING, ein junger Ritter aus Franken (Tenor)

DAVID, Sachsens Lehrbube (Tenor)
EVA, Pogners Tochter (Sopran)
MAGDALENA, Evas Amme (Mezzosopran)
EIN NACHTWÄCHTER (Bass)

Bürger und Frauen aller Zünfte, Gesellen, Lehrbuben, Mädchen, Volk (Chor)

Ort und Zeit der Handlung :
In Nürberg. Mitte des 16. Jahrhunderts

Spieldauer : 4 St. zu 4.45 St.

Die achte Oper Richard Wagners und einzige Komödie für Musik des Komponisten trägt den Titel Die Meistersinger von Nürnberg (WWV 96).

MVRW Meistersinger PartiturGeschaffen wurde die Oper Die Meistersinger von Nürnberg nach dem sehr pessimistisch wirkenden „MusikdramaTristan und Isolde. Die Oper wirkt wesentlich leichter, bisweilen sogar burlesk, und ist für das Wagnersche Repertoire eher ungewöhnlich. Bei den Meistersingern von Nürnberg handelt es sich ferner um die einzige Oper von Richard Wagner, welche einem bestimmten geschichtlichen Rahmen, Nürnberg in der Mitte des 16. Jahrhunderts, treu bleibt. Hauptperson des Werks ist der Schuhmacher und Dichter Hans Sachs (1494 – 1576), eine tiefgehende und ernste, aber auch immer wieder von Sarkasmus geprägte Persönlichkeit, die sich anderen gegenüber jedoch stets wohlwollend zeigte und für die Wagner zwei Monologe komponierte, die für einen Bass-Bariton mit zu den schönsten zählen.

Schon ab ihrer Uraufführung war die Oper einer der größten Erfolge zu Lebzeiten des Komponisten. Jedoch zögerte das Dritte Reich nicht damit, das Werk, in dem sehr viele Volkshymnen erklingen und das man leicht als eine Huldigung an deutsche Kunst verstehen kann, für seine Zwecke zu verwenden, indem es die Originalbotschaft – welche in einem europäischen Kontext mit nationalistischen Tendenzen entstanden war – zur progermanischen Propaganda umdeutete.

MVRW Hans-SachsZwar begann Richard Wagner erst ab 1861 wirklich mit der Erstellung des Libretto, für die Geschichte des Hans Sachs, die Zunft der Meistersinger von Nürnberg und die strengen Regeln, die sie der Dichtung zugrunde legten (nämlich die der Tabulatur), interessierte er sich schon um einiges früher – insbesondere nach seinem Sommeraufenthalt im Juli 1845 in Marienbad. Erst nach dem Debakel um die Uraufführung des Tannhäuser im März 1861 an der Pariser Oper, und als er versuchte, Tristan und Isolde zur Aufführung zu bringen, beschäftigte sich Wagner mit einem weniger düsteren Thema, das an die Tradition der Meistersinger anknüpfen sollte und das bereits im Tannhäuser angeklungen war.

Sofort nachdem er mehr über die Person des Hans Sachs, welcher zu seiner Zeit als der begabteste und bekannteste Meistersinger galt, erfahren hatte, schrieb Wagner, er habe ihn als die letzte Inkarnation künstlerischen Schaffens gestaltet.

Wagner war von dem berühmten Dichter fasziniert, schöpfte aber auch aus seinen persönlichen Erinnerungen, um für sein Werk – über einen Zeitraum von fast 15 Jahren – die dramaturgische Struktur zu erstellen. So diente ihm eine Nürnberger Straßenszene aus dem Jahr 1835 als Inspiration für das Finale des zweiten Akts. Schmiedegeräusche wiederum regten ihn zu den furchterregenden, quietschenden Geräuschen an, die Beckmesser während des Wettsingens bei jedem Fehler des Helden der Oper, Walther von Stoltzing, auf einer Tafel markierte.

MVRW meistersinger PremiereZwischen einem ersten Entwurf des Librettos und seiner endgültigen Fassung vergingen so in etwa 16 Jahre, in denen er auch Lohengrin, einen Großteil des Ring des Nibelungen, aber auch – und sogar vor allem – Tristan und Isolde komponierte.

Den geschichtlichen Rahmen des Librettos bildet die Zunft der Meistersinger in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Nürnberg. Wagner verwendet in seinem Drama historische Namen und thematisiert, was ihm persönlich sehr wichtig war: die Hingabe an die Kunst, ihre Vorrangstellung gegenüber menschlicher Niedertracht, das Auftauchen eines revolutionären Helden inmitten einer von Traditionen geprägten Gesellschaft, Opfer und Verzicht. Bei den Meistersingern von Nürnberg handelt es sich jedoch v. a. um eine Komödie und nicht um eine Tragödie. Wagner zögerte im Übrigen nicht, ein paar komische – ja sogar karikatural dargestellte – Situationen und Personen, wie z. B. Beckmesser, einzubauen, mit dessen Figur er auf Eduard Hanslick, einen berühmten Wiener Kritiker, anspielt, welcher in Bezug auf das Werk des Komponisten mehrmals Vorbehalte angemeldet hatte.

MVRW Meistersinger 3. ReichInsbesondere aufgrund seiner Wirkungsgeschichte im Dritten Reich und aufgrund seines Missbrauchs durch Hitler schockt dieses Werk heutzutage oft, spiegelt mit der Glorifizierung germanischer Kunst, wie sie v. a. am Ende der Oper durch Hans Sachs zum Ausdruck gebracht wird, jedoch lediglich das starke Nationalgefühl, das vor dem Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs im Jahr 1870 in Europa vorhanden war. Als pangermanistisch im Sinne, in dem Pangermanismus im 20. Jahrhundert definiert wird, ist das Werk jedoch auf keinen Fall anzusehen.

Wagner verwendet in seiner Musiksprache (insbesondere im Vorspiel oder in der letzten Szene des zweiten Akts) häufig den Kontrapunkt, das Kompositionsprinzip der Fuge, welches bei Bach seinen Höhepunkt erlebt. V. a. in der ersten Szene der Oper baut er außerdem einen Kirchenchor ein. Er zögert somit – wie auch später Richard Strauss in seinem Rosenkavalier – nicht, seine eigene musikalische Sprache mit älteren Kompositionstechniken zu perfektionieren.

Reibungslos ging das Ganze jedoch nicht gerade vonstatten. Im Jahr 1865 hatte sich Wagner, welcher sich mittlerweile unter dem Schutz von Ludwig II. von Bayern befand, dank Tristan und Isolde (Uraufführung am 10. Juni 1865 in München) wieder die Gunst des Publikums erworben. Sehr bald war ihm das Volk jedoch feindlich gesinnt, da er zum einen sehr hohe Forderungen an den König stellte (er verlangte den Bau eines eigenen Theaters sowie ein Gehalt aus der Kasse des Königreichs bzw. dem Privatvermögen des Königs) und hatte zum anderen einen Lebenswandel (er schwelgte in München ganz offen im Luxus und hatte eine Liaison mit Cosima, der Ehefrau seines Freundes Hans von Bülow), der dem Volk zutiefst missfiel.

MVRW Meistersinger 2001 Met

Dies führte dazu, dass der König Wagner gegen seinen Willen in Ungnade fallen lassen musste und sich Wagner ein weiteres Mal in die Schweiz – genauer nach Tribschen am Luzerner See – ins Exil begab. Selbst in der Ferne konnte Wagner jedoch auf die Unterstützung seines königlichen Mäzens zählen.

So wurde entschieden, dass die Uraufführung der Meistersinger von Nürnberg im Jahr 1868 am Königlichen Hof- und Nationaltheater in München stattfinden sollte. Da Wagner jedoch gezwungen war, sich im Schweizer Exil aufzuhalten, konnte er die Vorbereitungen dazu lediglich von Tribschen aus verfolgen und nahm erst Ende Mai an den letzten Proben teil. Bei der Uraufführung am 21. Juni 1868 unter der Leitung von Hans von Bülow wiederum war er an der Seite Ludwig II. von Bayern in der königlichen Loge zu sehen, wobei der Erfolg des Werkes überwältigend war.

Als eines der wichtigsten deutschen Werke gehörten Die Meistersinger von Nürnberg (nach dem Ring des Nibelungen, Parsifal sowie Tristan und Isolde) bereits 1888 zum Repertoire der Bayreuther Festspiele.

NC.

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Vorspiel
Davids Szene (I. Aufzug)
Sachs Fliedermonolog (II. Aufzug)
Schlacht – Schlusszene (II. Aufzug)
Sachs Wahnmonolog (III. Aufzug)
Quintets (III. Aufzug)
Chor « Wach auf » (III. Aufzug)
Walthers Lied (III. Aufzug)
Schlussszene (III. Aufzug)

 

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