RAUM IIIWerk

Das Werk von Richard Wagner setzt sich von den Feen bis zu Parsival aus Opern und Musikdramen zusammen. Eine detaillierte Vorstellung jedes einzelnen seiner Hauptwerke wird hier kombiniert mit einem Ensemble mehrerer Artikel zum selben Thema, welche nicht nur den Zusammenhang des jeweiligen Werks mit dem Leben Richard Wagners herstellen, sondern auch den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontext miteinbeziehen. Nicht zuletzt finden Sie in dieser Abteilung bzw. diesem Raum neben Opern auch sämtliche anderen musikalischen Werke Richard Wagners sowie sein literarisches Erbe.

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MVRW LOHENGRIN 300LOHENGRIN

Romantische Oper in drei Akten

Libretto und Musik von Richard Wagner

Uraufführung :
28. August 1850 (Weimar, Großherzogliches Hoftheater)
unter der Leitung von Franz LISZT

Besetzung :
HEINRICH DER VOGLER, deutscher König (Bass)
LOHENGRIN (Tenor)
ELSA VON BRABANT (Sopran)
FRIEDRICH VON TELRAMUND, brabantischer Graf (Bariton)
ORTRUD, Friedrichs Gemahlin (dramatischer Sopran oder Mezzosopran)
Der Heerrufer des Königs (Bariton)
Vier brabantische Edle (zwei Tenöre, zwei Bässe)
Vier Edelknaben (zwei Soprane, zwei Alti)
Herzog Gottfried, Elsas Bruder (stumme Rolle)

Sächsische, thüringische, brabantische Grafen und Edle ;
Edelfrauen und Edelknaben ; Mannen ; Frauen ; Knechte (Chor)

Ort und Zeit der Handlung :
Brabant in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts

Spieldauer : c.a. 3.30 St.

MVRW BANDEAU LOHENGRIN 737 in KuerzeDie sechste Oper Richard Wagners und die dritte der sog. „reifen Opern“ des Komponisten ist Lohengrin (WWW 75).  Lohengrin wurde zwischen 1845 und 1848 komponiert und reiht sich in die für das Königliche Hoftheater in Dresden komponierten Opern ein, wo Wagner, der dort die Funktion eines Kapellmeisters innehatte, nach dem überwältigenden Erfolg der Uraufführung des Rienzi, der Letzte der Tribunen (20. Oktober 1842) und der etwas weniger erfolgreichen Uraufführungen des Fliegenden Holländers (2. Januar 1843) und des Tannhäuser (19. Oktober 1845) inzwischen als bemerkenswerter Komponist galt. 

MVRW Lohengrin-london-premiereDie germanische Sagenwelt, welche ihm den Stoff zu Tannhäuser lieferte, entdeckte Wagner während seines Parisaufenthalts (1839 – 42). In jenen Jahren lernte er auch die Schwanenrittersage kennen. Hauptsächlich inspiriert hat sich der Komponist jedoch am Parzivalroman von Wolfram von Eschenbach, einem Versroman aus dem 13. Jahrhundert, der Chanson de geste, Gralsthematik und Schwanenrittersage miteinander verknüpft, sowie an den Deutschen Sagen, die zwischen 1816 und 1818 von den Gebrüdern Grimm veröffentlicht wurden. In den verschiedenen Sagen zur Person des Lohengrin geht es jeweils um die mysteriöse Herkunft des Ritters, das ihm auferlegte Verbot, seinen Namen zu nennen, und um den Schmerz seiner Verlobten, welche ihn nicht nach seinem Namen fragen darf.

Da Wagner – wie sonst auch – die Dramatik seines Werks wichtiger ist als Quellentreue, führt er einen von der Welt unverstandenen Dichter ein, der seinen ganzen Erfolg und Ruhm nur von der Welt zurückgezogen erleben kann.

Was die Rollenverteilung betrifft, so orientiert sich Wagner immer noch an der Tradition der klassischen Oper und der Opposition unschuldiges Paar : Verräter und fügt seinem Drama Ortrud und Telramund hinzu, die als Bösewichte den Gegensatz zu den reinen Lichtgestalten Lohengrin und Elsa verkörpern. Ortrud ist nicht nur eine Frau mit bösen Absichten und schädlichen Kräften, Wagner gestaltet die Figur der Ortrud vielmehr als „eine Reaktionärin“ (Brief vom  30. Januar 1852 an Franz Liszt), deren Politik sei und die keine Liebe kenne. Das archetypische Duo Sopran/Tenor wurde bei Wagner durch das Duo Mezzosopran/Bariton abgelöst und die Personen mit einer komplexeren Charakterisierung ausgestattet.

MVRW Pirna GraupaEinen ersten Entwurf zu dieser „großen romantischen Oper in drei Akten“ erstellte Richard Wagner bereits im Sommer 1845 während eines Aufenthalts mit seiner Gattin in Marienbad im Haus Zum KleeblattSo lag bereits zu Ende jenes Sommers ein kompletter Entwurf des Librettos vor. Für die Erstellung des Gedichts in Reimform wiederum brauchte Wagner kaum ein paar Monate, bevor er ab dem Frühjahr 1846 die Komposition der Musik in Angriff nahm, wofür er insgesamt zwei Jahre benötigte. Den Großteil des Werks komponierte er jedoch während eines Sommeraufenthalts 1846 in Pirna Graupa in der Sächsischen Schweiz in einem Lohengrinshaus genannten Anwesen, das an das Geburtshaus von Hans von Bülow angrenzte. Beendet war die gesamte Partitur schließlich im April 1848. Als letztes komponiert wurde das etwa zehnminütige Präludium, welches auf Gralsthematik und Lohengrin hinführt.

Mit Lohengrin löst sich Wagner in seiner Komposition ganz entschieden von der klassizistischen Oper. Mit dieser traumhaften Partitur entwickelt Wagner zum ersten Mal sein Konzept einer kontinuierlichen Melodie und wiederkehrender Leitmotive, auf die die melodische Linie seiner Oper aufbaut. Während Themen und Motive, in denen es beispielsweise um den Sieg der Liebe oder Heldenruhm geht, in Dur und Zweifel oder böse Absichten in Moll gehalten sind. Die Komposition erreicht somit einen für Wagner bisher nie dagewesenen Grad an Komplexität, wobei manche Seiten (v. a. der Dialog zwischen Ortrud und Telramund in der ersten Szene des zweiten Akts) sogar fast schon die musikalische Sprache des Rings des Nibelungen ankündigen.

MVRW Lohengrin fullWie auch die vorherigen Meisterwerke des Komponisten war Lohengrin ursprünglich für die Semperoper in Dresden gedacht. Die Unruhen und Volksaufstände, die zu der Zeit überall in Europa ausbrachen und bei denen Pressefreiheit sowie ein Zensurverbot gefordert wurden, bereiteten diesem Vorhaben ein jähes Ende. Wagner begnügte sich nämlich keinesfalls damit, Musiker und Komponist zu sein. Nachdem er seinen Posten als Kapellmeister bei Hofe aufgegeben hatte, befreundete er sich nämlich mit so Aufständischen, wie August Roeckel und Mikhail Bakounine, und stellte sich auf die Seite des Volkes. Als der Aufstand jedoch schließlich von den königlichen Truppen niedergeschlagen worden war, musste Wagner fliehen und sich für zahlreiche Jahre ins Exil begeben, ohne sein Meisterwerk auf der Bühne sehen zu können…

Die Uraufführung des Lohengrin fand daher am 28. August 1850 ohne die Anwesenheit des Komponisten, welcher sich in Deutschland nicht aufhalten durfte, und unter der Leitung von Franz Liszt anlässlich der Feiern zu Goethes 100. Todestag am Großherzoglichen Hoftheater Weimar statt. Wagner selbst nahm erst elf Jahre später – nämlich am 15. Mai 1861 – an der Oper in Wien an einer Aufführung teil. Lohengrin, die romantische Oper schlechthin, steht wie kein weiteres Werk für Wagner und zählt heute zu den am meisten gespielten Opern des Komponisten.

MVRW Lohengrin Premiere 1850

 

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MVRW BANDEAU LOHENGRIN 737 Neun Auszuege

Vorspiel
Elsas Traum (I. Aufzug)
Schlussszene (I. Aufzug)
« Entweite Götter » (II. Aufzug)
Elsas Prozession (II. Aufzug)
Vorspiel zum III. Aufzug
Szene Elsa/Lohengrin (III. Aufzug)
Gralserzählung (III. Aufzug)
Schlussszene (III. Aufzug)

 

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