RAUM IIIWerk

Das Werk von Richard Wagner setzt sich von den Feen bis zu Parsival aus Opern und Musikdramen zusammen. Eine detaillierte Vorstellung jedes einzelnen seiner Hauptwerke wird hier kombiniert mit einem Ensemble mehrerer Artikel zum selben Thema, welche nicht nur den Zusammenhang des jeweiligen Werks mit dem Leben Richard Wagners herstellen, sondern auch den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontext miteinbeziehen. Nicht zuletzt finden Sie in dieser Abteilung bzw. diesem Raum neben Opern auch sämtliche anderen musikalischen Werke Richard Wagners sowie sein literarisches Erbe.

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MVRW-Tristan-et-Isolde 300TRISTAN UND ISOLDE

Musikdrama in drei Aufzügen

Libretto und Musik von Richard Wagner

Uraufführung :
10. Juni 1865, München (Königliches Hof-und Nationaltheater),
unter der Leitung von Hans von BÜLOW

Besetzung :
TRISTAN (Tenor)
KÖNIG MARKE (Bass)
ISOLDE (Sopran)
KURWENAL (Bariton)
MELOT (Bariton oder Tenor)
BRANGÄNE (Mezzosopran)
EIN HIRT (Tenor)
EIN STEUERMANN (Bariton)
STIMME EINES JUNGEN SEEMANNS (Tenor)

Schiffsvolk, Ritter und Knappen, Frauen aus Isoldes Gefolge (Chor)

Ort und Zeit der Handlung :
zur Zeit der irischen Sagenwelt in Cornwall und Bretagne

Spieldauer : ca. 3:50 Std.

MVRW TRISTAN Bandeau 737 in KuerzeBei Tristan und Isolde (WWV 90) handelt es sich um Wagners siebte Oper, die vierte seiner sog. reifen Opern und die erste, die der Komponist mit der finanziellen Unterstützung Ludwig II. von Bayern schrieb.

MVRW Tristan Isolde PartiturAuch ist Tristan und Isolde das einzige Werk des Komponisten, das auf eine Bestellung zurückgeht. So empfängt Wagner am 9. März 1857 den Gesandten des brasilianischen Kaisers Dom Pedro II., Dr. Ernesto Ferreiro-França, der ihn damit beauftragt, für Rio de Janeiro eine „Oper italienischen Stils“ zu komponieren. Wagner gefällt dieses Projekt, zumal er mit seinen Werken gern auf der Bühne die Macht der Liebe glorifiziert. Er unterbricht daher vorübergehend die Arbeit am Ring des Nibelungen (er ist zu der Zeit mit der Komposition des 2. Akts des Siegfried beschäftigt) sowie an den Meistersingern von Nürnberg, deren Handlungsstrang bereits feststeht.

 Inspiriert wurde Wagner zu dem Libretto dieses „Musikdramas“ in drei Akten durch eine traditionelle keltische Sage aus dem 12. Jahrhundert. Dabei standen dem Komponisten verschiedene Quellen sur Verfügung: die beiden Fassungen des Gottfried von Straßburg (1205 – 1210), die des Ulrich von Türheim (1235) und die des Heinrich von Freiberg (1280) sowie Sir Tristem von Thomas von Erceldoune in Mittelenglisch, der Tristan von Béroul (1180) und Le Lai du chèvrefeuille von Marie de France. Das Vorhaben, ein Werk zu Tristan zu schöpfen, fasst er jedoch bereits 1854, wobei ihn folgende Punkte dazu bringen: die Lektüre von Schopenhauers Welt als Wille und Vorstellung, die Begegnung mit Mathilde Wesendonck, eine Art Wettbewerb, der von seinem Freund Karl Ritter ausging, welcher ebenfalls darüber nachdachte, ein Drama zu Tristan zu schreiben.


MVRW WESENDONCK MathildeWas den philosophischen Aspekt anbelangt, so ist der Mensch bei Wagner – wie bei dem von einem pessimistischen Menschen- und Weltbild geprägten Schopenhauer – hin- und hergerissen zwischen Todessehnsucht und Liebe. Wenn es nach dem Philosophen geht, muss der Mensch seinen Willen aufgeben, indem er sich – wie im Buddhismus üblich – in Askese übt. Wagner interpretiert diesen Gedanken neu und zeigt eine im Tod endlich erreichte Vereinigung der beiden Liebenden, über die die Nacht, welche in der Oper eine zentrale Rolle spielt, ihr schützendes Tuch ausbreitet.Eine weitere starke Quelle der Inspiration war für Wagner die Begegnung mit Mathilde Wesendonck, seiner Muse (und im Übrigen Dichterin und Gattin des reichen Kaufmanns Otto Wesendonck), mit der der Komponist eine Liebesbeziehung gehabt haben soll. Als er aufgrund seiner Beteiligung am Dresdner Aufstand des Jahres 1849 aus Sachsen und ganz allgemein aus den deutschen Staaten fliehen muss, lebt Wagner nämlich ganze neun Jahre lang in Zürich im Exil. 1852 lernt er dort die Wesendoncks kennen. Otto, welcher Wagner sehr bewunderte, wurde zu einem seiner größten Mäzene und bot ihm auf seinem Grundstück sogar ein Haus an, welches der Komponist „Das Asyl“ nannte. Wagner verliebte sich sehr schnell in Mathilde, eine unmögliche Liebe, wie sie in seinem Drama auch zwischen Tristan und Isolde existiert. Außerdem nahm Wagner in sein Musikdrama zwei der Wesendonck-Lieder auf, Träume und Im Treibhaus. (Insgesamt bestand der Zyklus aus fünf Liedern, welche Richard Wagner für Texte von Mathilde Wesendonck komponierte.)

MVRW Tristan Isolde Schluss zum VorspielMit dem Ende der Arbeiten zu Tristan und Isolde im September 1857 schenkt Wagner das Manuskript Mathilde Wesendonck. Seine Liebe zur Ehefrau seines Mäzens wird jedoch von Minna entdeckt, welche darüber ihrerseits Otto informiert, so dass der Komponist dazu gezwungen ist, Zürich zu verlassen. Fertiggestellt wird Tristan und Isolde daher im Herbst 1858 in Venedig, wobei die – zu dieser Jahreszeit – trostlose Atmosphäre der Stadt sowie der klagende Gang der Gondolieri sicher dazu beitrugen, dass die Musik des 3. Aktes eher schwarz war.

Der weitere Weg bis zur Uraufführung von Tristan und Isolde verlief jedoch mit Sicherheit genauso mühsam und schmerzvoll, wie bereits die Komposition des Werks. Wagner war nämlich davon überzeugt, dass allein das Orchester der Wiener Oper seine innovativen und mutigen Partituren richtig interpretieren konnte, und so bereitete er ab 1861 die Proben von Tristan und Isolde in Wien vor. Nietzsche arbeitete im Übrigen im gleichen Jahr am Klavierauszug. Jedoch wurde die Aufführung des Tristan nach dem Tod Maximilian II. annuliert.

Nach der Begegnung mit Ludwig II. von Bayern änderte sich jedoch nicht nur einiges im Leben Richard Wagners, auch die Bestimmung seiner Oper wurde eine ganz neue. So verlangte der König, dass für die Uraufführung, welche endlich am 10. Juni 1865 in Beisein des Komponisten und seines Mäzens stattfand, nur die besten Instrumentalisten im Orchester waren und lediglich die besten Sänger jener Zeit verpflichtet wurden. (Die Premiere, welche eigentlich für den 15. Mai geplant war, war übrigens verschoben worden, weil Malvina Schnorr von Carolsfeld, welche die Rolle der Isolde übernehmen sollte, am Abend der Uraufführung ohne Stimme war.)

MVRW Joseph_Albert_-_Ludwig_und_Malwine_Schnorr_von_Carolsfeld_-_Tristan_und_Isolde,_1865f

Die Kritik wiederum ging mit der Oper eher streng ins Gericht und beschrieb sie als „schamlos“ und „obszön“. Gelobt wurden dagegen die Darbietungen der Eheleute von Carolsfeld, welche es verstanden, den Sagengestalten Leben einzuhauchen und das mythische Paar zu „Fleisch und Blut“ werden zu lassen. Ludwig Schnorr starb jedoch kurz nach der Premiere des Tristan. Sehr schnell war von einem Fluch die Rede und völlig grundlos verbreitete sich das Gerücht, der Künstler sei gestorben, weil er für die Rolle des Tristan, die im Grunde nicht gesungen werde könne, zu viel Anstrengungen und Mühe auf sich genommen habe.

Trotzdem schrieb das Werk, was die Sprache der Musik anging, insbesondere mit seinem Vorspiel, welches die im gesamten Werk vorhandenen Leitmotive vorstellte, Geschichte und schuf neue Maßstäbe. Ein seltsamer, dissonanter Akkord zu Beginn des Werks, welcher bisweilen Tristan-Akkord genannt wird, scheint den traditionellen Harmonieregeln nicht zu gehorchen. Ähnlich verhält es sich jedoch mit dem gesamten Werk, dessen Harmonik nicht mehr unbedingt Halt und Bindekraft besitzt. Richard Wagner findet mit Tristan und Isolde zu einer neuen Musiksprache, welche im Folgenden Komponisten, wie Claude Debussy in Frankreich oder Komponisten der Wiener Schule (Arnold Schoenberg, Anton Webern…) inspiriert, welche noch viel wagemutiger sind, als dies in Tristan und Isolde bereits schon der Fall ist, und die der Dodekaphonie den Weg bereiten.

SB.

TRISTAN UND ISOLDE
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TRISTAN UND ISOLDE
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MVRW TRISTAN Bandeau 737 Neun Auzsuege

Vorspiel
Isoldes Erzählung (I. Aufzug)
Schlussszene (I. Aufzug)
Vorpsiel zum II. Aufzug
Liebesduett (II. Aufzug)
 „Tates du’s wirklich?“ (II. Aufzug)
Vorpsiel zum III. Aufzug
Tristans Tod (III. Aufzug)
Isolde Liebestod (III. Aufzug)

 

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