RAUM IIIWerk

Das Werk von Richard Wagner setzt sich von den Feen bis zu Parsival aus Opern und Musikdramen zusammen. Eine detaillierte Vorstellung jedes einzelnen seiner Hauptwerke wird hier kombiniert mit einem Ensemble mehrerer Artikel zum selben Thema, welche nicht nur den Zusammenhang des jeweiligen Werks mit dem Leben Richard Wagners herstellen, sondern auch den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontext miteinbeziehen. Nicht zuletzt finden Sie in dieser Abteilung bzw. diesem Raum neben Opern auch sämtliche anderen musikalischen Werke Richard Wagners sowie sein literarisches Erbe.

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MVRW PARSIFAL 300PARSIFAL

Ein Bühnenweihfestspiel in drei Akten

Libretto und Musik Richard Wagner

Uraufführung :
26. Juli 1882, Bayreuth (Bühnenfestspielhaus),
unter dent Leitung von Hermann LEVI

Besetzung :
AMFORTAS (Bariton)
TITUREL (Bass)
GURNEMANZ (Bass)
PARSIFAL (Tenor)
KLINGSOR (Bass)
KUNDRY (Sopran oder Mezzosopran)
Zwei GRALSRITTER (Tenor und Bass)
Vier KNAPPEN (Sopran und Tenor)
Klingsors ZAUBERMÄDCHEN (Sopran/Alt)
STIMME AUS DER HÖHE (Alt)
Chor :
Gralsritter – 2 Männerchöre zu 4 Stimmen
Knappen – Männerchor zu 4 Stimmen
Jünglinge – Tenöre
Knaben – in der mittleren Höhe Sopran und Alt, in der äußersten Hôhe Sopran und Alt zu 4 Stimmen
Klingsors Blumenmädchen – Sopran un Alt zu drei Stimmen in je zwei Halbchören

Ort der Handlung :
Auf dem Gebiete und in der Burg der Gralshüter “Montsalvat”, Gegend im Charakter der nördlichen des gotischen Spaniens. Sodann : Klingsors Zauberschloß am Südabhange derselben Gebirge, dem arabischen Spanien zugewandt anzunehmen.

Spierldauer : von 3.40 St. bis 4.50 St.

MVRW PARSIFAL in KuerzeBei Parsifal (nach Richard Wagner einem „Bühnenweihfestspiel“) handelt es sich um das letzte Musikdrama des Komponisten, das im WWV (Wagner-Werk-Verzeichnis) die Nummer 111 hat, für die Bayreuther Festspiele geschaffen und dort während deren 2. Ausgabe am 26. Juli 1882 uraufgeführt wurde. Das Werk wurde eine Zeitlang ausschließlich in Bayreuth aufgeführt und ist dort jedes Jahr Teil des Programms.

MVRW Wagner_Parsifal_1877In Parsifal vermischen sich Symbolismus und Spiritualität, so dass man sich zu Recht fragen darf, ob es sich bei dem Werk um eine Oper, ein Oratorium oder gar eine Messe handelt. Der Schwanengesang des Meisters von Bayreuth ist außerdem eines seiner längsten lyrischen Werke, dessen Spieldauer fast bis zu fünf Stunden betragen kann.

Schon in jungen Jahren interessiert sich Richard Wagner für die mittelalterliche Sagenwelt, zunächst für Tannhäuser und Lohengrin. Sehr bald fasziniert ihn auch der Ritter auf der Suche nach dem Gral. Als er sich während des Sommers 1845 mit seiner Gattin Minna in Marienbad aufhält, entdeckt er den Parzival, das Meisterwerk Wolfram von Eschenbachs, in der Fassung von San Marte und Simrock, so dass bereits zu diesem Zeitpunkt die Idee zu einem Musikdrama entsteht. Dennoch gibt Wagner das Projekt zunächst zugunsten von populäreren, weniger mystischen Themen auf, denkt aber mit Tristan und Isolde wieder daran. Zu einer bestimmten Zeit überlegt der Komponist sogar, im 3. Akt des Werks, als Tristan mit dem Tode ringt, Parzival und seine Suche nach dem Gral als eine Suche nach einem Ideal einzubauen, lässt die Idee aber schließlich fallen. Ein Ideal, das auch Isolde, der Gral oder irgendetwas anderes hätte verkörpern können.

MVRW SCHOPENHAUER MondeDas Werk Artur Schopenhauers und insbesondere Die Welt als Wille und Vorstellung beeinflussen mehrere Werke Richard Wagners: zum einen natürlich Tristan und Isolde, zum anderen aber auch das buddhistische Drama Die Sieger, ein Lobpreis des höchsten Verzichts. Zwar wurden Die Sieger nie fertiggestellt, doch finden sich Suche, Mitgefühl und Verzicht im Parsifal wieder, und selbst wenn Tristan und Isolde, Die Meistersinger von Nürnberg und schließlich und v. a. Der Ring des Nibelungen den Komponisten zwischen 1858 und 1876 beschäftigten, gab er sein Interesse für die Gralswelt und seine sehr persönliche Auseinandersetzung mit den mittelalterlichen Chansons de geste, denen er später dank der Lektüre moderner Philosophen eine neue Dimension gab, nie auf.

Nach der Befassung mit der Nibelungensage und der Schöpfung des Rings des Nibelungen greift der Komponist am 25. Januar 1877, d. h. weniger als sechs Monate nach der Uraufführung des Rings des Nibelungen, auch die Idee eines Werks zu Parzival wieder auf, während der Nibelungen-Zyklus dank Angelo Neumann und seines Richard Wagner Traveling Theaters in ganz Europa zur Aufführung kommt.

MVRW PARSIFAL RavelloFast auf den Tag genau fünf Jahre später, am 13. Januar 1882, ist die Partitur beendet, da Wagner in Palermo unter der Sonne Italiens zur Inspiration gefunden hat. Als er dort nämlich in Begleitung seines Malerfreundes Paul von Joukowsky im Januar 1880 den Dom von Siena besucht, holt er sich in der Erhabenheit des Ortes sowie der Kuppel die Inspiration für den Tempel des Heiligen Gral. Die Gärten des Palazzo Rufolo in der Nähe von Ravello wiederum, welche er später kennenlernt, beeinflussen die Entstehung seines märchenhaften Gartens von Klingsor und dessen Blumenmädchen.

Während der langen Entstehungszeit des Werks nehmen die Personen nach und nach im Geist des Komponisten Gestalt an, während die Musik das Prinzip der im Ring des Nibelungen eingeführten Leitmotive weiter perfektioniert. Mit der Aufgabe, eine Abschrift der Partitur anzufertigen, wird der sehr gewissenhafte Engelbert Humperdinck, der zukünftige Komponist der Königskinder sowie von Hänsel und Gretel, beauftragt.

ParsMehr als das Werk selbst beunruhigt Richard Wagner, der sicher ist, mit seinen viereinhalb Stunden Musik in der Musikgeschichte etwas ganz Neues geschaffen zu haben, jedoch die Aufführung. Wagner teilt diese Sorge in einem mit 28. September 1880 datierten Brief – nicht zum ersten Mal – seinem Freund und Mäzen, König Ludwig II. von Bayern, mit. Das Werk dürfe in keinem Fall zu Bedingungen aufgeführt werden, die dessen nicht würdig seien. In der Vergangenheit war es zwischen den beiden Männern bereits zu Auseinandersetzungen über die Aufführungsbedingungen des Rings des Nibelungen gekommen. Doch dieses Mal, im Oktober 1880, gibt der König nach und gesteht Wagner die Bitte zu, Parsifal ausschließlich im Bayreuther Festspielhaus, welches zu der Zeit bereits als der Ort eines fast schon heiligen Musikfestivals galt, aufführen zu lassen. Während Joukowsky mit der Konzeption von Bühnenbild und Kostümen beauftragt wird, sind die Brüder Brückner für die Umsetzung von beidem zuständig. Ein anderer wichtiger Punkt aber bereitet dem Komponisten größere Sorgen: die Wahl des Orchesterchefs. Schließlich fällt sie – trotz dessen Religionszugehörigkeit – auf Hermann Levi. Levi nämlich ist jüdischen Glaubens, wohingegen Parsifal für manche die Apotheose des edelsten Christentums darstellt. Trotz der Einwände von Cosima, der die Zusammenarbeit von Wagner und Levi nicht behagt, verstehen sich Komponist und Orchesterchef ausgezeichnet. Letzteren berührt dieser Vertrauensbeweis derart, dass er Wagner dafür gar nicht genug danken kann.

Die Vorstellungen des Parsifal sind bereits für den Sommer 1882 geplant, so dass die Proben schon 1881 beginnen, als das Werk noch nicht einmal beendet ist, und es hin und wieder zu Überraschungen kommt. Als die von Karl Brandt entwickelte Maschinerie zum Wechsel des Bühnenbilds des ersten Akts in der sog. „Verwandlungsszene“ auf der Bühne des Festspielhauses getestet wird, stellt sich diese als für die Partitur nicht schnell genug heraus. Nur ein paar Tage vor der Premiere wird daher Humperdinck damit betraut, ein paar Takte mehr zu komponieren, damit die Partitur etwas länger wird und sich so gut wie möglich der genialen Bühneninszenierung anpasst.

MVRW PARSIFAL 1882 BAYREUTHDie Uraufführung findet am 26. Juli 1882 ab 16 Uhr mit sämtlichen Beteiligten des Festivals, wie z. B. z. B. Emil Scaria (Gurnemanz), Hermann Winckelmann (Parsifal) und Amalie Materna (Kundry), statt und erweist sich als absoluter Triumph. Einen kleinen Wermutstropfen gab es für Wagner jedoch trotzdem: König Ludwig II. von Bayern, welchen er gerne „Freund“ nannte, hatte sich im letzten Moment aufgrund der ihm verhassten Zwänge des Protokolls dazu entschieden, nicht zu erscheinen. Neu ist, dass das Bayreuther Festspielhaus am Ende der 16 Vorstellungen zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Gewinn erzielt. Finanziell erfolgreich war Wagner bis zu jenem Zeitpunkt nie gewesen!

Über eine sehr lange Zeit wurde der Wille des Komponisten respektiert und Parsifal ausschließlich in Bayreuth aufgeführt (so man die acht in München für König Ludwig II. von Bayern in den Jahren 1884 und 1885 gegebenen Privatvorstellungen nicht mitzählt). Aus Treue zu ihrem verstorbenen Gatten hält Cosima diese Tradition auch mit aller Macht aufrecht. Wer wagt es, hier hinzuzufügen, dass die „Hüterin des Tempels“ sich so auch das „heilige“ Manna in Form eines großen Geldsegens sicherstellte? Sämtliche Aufführungen „außerhalb des Gralshügels“ wurden kategorisch untersagt. Eine wahrhaft Wagnersche Entscheidung, die anderen Opernbühnen, welche nicht dazu bereit waren, eine solche Ungerechtigkeit zu akzeptieren, selbst wenn diese auf den Willen des Meisters zurückging, nicht Genüge leistete.

MVRW PARSIFAL NYC 1903So kommt es am 24. Dezember 1903 zu folgender Entscheidung eines Gerichts: Ein Aufführungsverbot kann für die Vereinigten Staaten von Amerika nicht gelten. Sofort entscheidet sich die Metropolitan Opera New York, das Werk zur Aufführung zu bringen und so den Zorn der Wagnerwitwe herauszufordern. Diese verbannt sämtliche Sänger, die Teil der New Yorker Produktion waren und von denen die meisten aus Bayreuth stammten, die Bühne des Festspielhauses. Mit dem Erlöschen des Bayreuther Monopols am 1. Januar 1914 begeistern sich auch andere europäische Opernhäuser für das Werk. Aufgrund des damaligen Zeitunterschieds zwischen Bayreuth und Katalonien kann im Liceum in Barcelona bereits am 31. Dezember 1913 um 22.30 Uhr, also eineinhalb Stunden vor dem 1. Januar 1914, eine Vorstellung beginnen.

Gemeinsam mit dem Ring des Nibelungen steht Parsifal seit 1882 regelmäßig auf dem Spielplan des Festspielhauses, wobei die Inszenierung von Wieland Wagner unter der Leitung von Hans Knappertsbusch nach der Wiedereröffnung des Festspielhauses nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1951 zu einer der bemerkenswertesten zählt. Kleine Anekdote am Rande: Knappertsbusch verfiel im Hinblick auf die Abstraktion, die der Wagnerenkel dem Publikum des Festivals präsentierte, in hilfloses Erstaunen. Die im Finale fehlende Taube auf dem Kopf des Parsifal beraubte sein Orchester jedweder Poesie. Da er in Bezug auf seine Suche nach Purismus in Bühnenbild und Accessoires in nichts zurückstecken wollte, ließ der gewitzte Wieland den Vogel an einer Kette aus dem Seilboden des Festspielhauses hinuntergleiten. Das Ganze nur für eine kurze Zeit, so dass der Orchesterchef die Taube sehen und so zu seiner „Inspiration“ kommen konnte, die Zuschauer davon aber nichts mitbekamen!

In unserer heutigen Zeit ist Parsifal in den Opernhäusern von New York bis Tokio eines der wichtigsten Werke.

NC.

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MVRW PARSIFAL Bandeau 737 Neun Auszuege

Vorspiel
Gurnemanz Erzählung (I. Aufzug)
Verwandlungsszene (I. Aufzug)
Die Gralsritter (I. Aufzug)
Vorspiel zum II. Aufzug
Verführungsszene (II. Aufzug)
Schlussszene (II. Aufzug)
Karfreitagszauber  (III. Aufzug)
Schlussszene (II. Aufzug)

 

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