RAUM IIIWerk

Das Werk von Richard Wagner setzt sich von den Feen bis zu Parsival aus Opern und Musikdramen zusammen. Eine detaillierte Vorstellung jedes einzelnen seiner Hauptwerke wird hier kombiniert mit einem Ensemble mehrerer Artikel zum selben Thema, welche nicht nur den Zusammenhang des jeweiligen Werks mit dem Leben Richard Wagners herstellen, sondern auch den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontext miteinbeziehen. Nicht zuletzt finden Sie in dieser Abteilung bzw. diesem Raum neben Opern auch sämtliche anderen musikalischen Werke Richard Wagners sowie sein literarisches Erbe.

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MVRW-RING-200-1DER RING DES NIBELUNGEN

Ein Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend

Libretto und Musik von Richard Wagner

 

 


DAS RHEINGOLD


DIE WALKÜRE

SIEGFRIED

GÖTTERDÄMMERUNG

Beim Ring des Nibelungen handelt es sich um einen aus vier Teilen bestehenden Opernzyklus von Richard Wagner : Das Rheingold (WWV 86a), Die Walküre (WWV 86b), Siegfried (WWV 86c) und Götterdämmerung (WWV 86d). Komponiert wurde dieses Meisterwerk insgesamt über einen Zeitraum von fast 30 Jahren, nämlich zwischen 1848 und 1876.

MVRW RING PartitionBestimmt war Der Ring des Nibelungen für die Bühne des Bayreuther Festspielhauses, welches nach den Wünschen des Komponisten erbaut wurde und so ideale Bedingungen bot. Die Erstellung von Libretto und Partitur für dieses mit insgesamt 16 Stunden Musik überaus lange Werk unterbrach und überarbeitete der Komponist unzählige Male. Der Ring des Nibelungen verkörpert den Höhepunkt der Idee eines Gesamtkunstwerks, welche Wagner während seiner gesamten Laufbahn als Komponist und Dramaturg v. a. in seinen Essais Oper und Drama sowie Das Kunstwerk der Zukunft verteidigt hat.

Die Musik hatte sich seit dem Barock ihre Inspirationen nicht mehr in der griechischen und römischen Mythologie geholt und stattdessen einen historischen Kontext mit Chören, Aufmärschen und Einzügen vorgezogen, bei dem Persönlichkeiten, die wirklich gelebt hatten, mehr oder weniger wahrheitsgetreu und mit viel Prunk auf die Bühne der romantischen Grand Opéra gebracht wurden.

MVRW NibelungenliedmanuscriptAls Vorlage für sein umfangreiches Bühnenwerk in Versform wählt Richard Wagner jedoch die Nibelungensage, um dem, was er seit seinem Entwurf als sein „Meisterwerk“ verstand, eine symbolische und zeitlose Dimension zu geben.

Das Werk zeigt ferner deutlich, dass der Komponist auch weiterhin an seinen revolutionären und antikapitalistischen Ideen festhielt. So steht der Mythos vom Diebstahl des Goldes, welches seinem Besitzer zu Allmacht verhilft, im von Wagner erstellten Libretto metaphorisch für das Industriezeitalter und prangert den allzu mächtigen Kapitalismus an, welcher seine Existenz auf Kosten von Liebe und Menschlichkeit hat. Aufgrund seines schon immer vorhandenen Nationalbewusstseins, dessen vehementer Verfechter er ist, möchte der Komponist den Deutschen ferner mit seinem Werk ihren Ursprung und ihre Werte ins Gedächtnis rufen. Werte, welche aus seiner Sicht viel zu oft hinter dem Triumph der Bourgeoisie und einer Kultur zurückbleiben, welche er nur als Mittelmaß einstuft.

Ergriffen von diesem patriotischen Elan denkt Wagner parallel zur Entstehung des Rings des Nibelungen auch an weitere Dramen, von denen jedoch nur Entwürfe existieren und deren Hauptpersonen Friedrich I. (Barbarossa), Jesus von Nazareth, Achilles oder auch Wieland der Schmied sind. Zu einem Wagnerschen Helden hätte sicher jede dieser Persönlichkeiten werden können, gelungen ist es aber nur Siegfried.

Entstanden ist Der Ring des Nibelungen nach einer ausführlichen Lektüre der Edda (Bestandteil der nordischen Mythologie de 7. Jahrhunderts), der Välsunga saga (Prosaroman aus dem 13. Jahrhundert) und des Nibelungenlieds (Werk eines unbekannten Autors aus dem 13. Jahrhundert). Um seinen Ring des Nibelungen zu schaffen, greift Wagner folglich auf mehrere Quellen zurück.

Die Aufmerksamkeit des Komponisten richtete sich dabei ursprünglich v. a. auf den Tod Siegfrieds, welcher Teil einer einzigen Oper sein sollte. Um Todesumstände, Kontext und tragisches Ende seines germanischen Helden für die Zuschauer jedoch wirklich klar und nachvollziehbar darzustellen, entschied sich Wagner letztlich dazu, ausgehend vom Ende des Dramas auch die Geschehnisse im Vorfeld zu erzählen. Daher wird aus der ursprünglich einteiligen Siegfried-Oper mit Der junge Siegfried sowie Siegfrieds Tod schließlich zunächst eine zweiteilige Oper und später dann – wie 1876 in Bayreuth in der Uraufführung – ein aus vier Teilen bestehender Ring mit einem Prolog – oder Vorabend – (Das Rheingold) und drei aufeinanderfolgenden „Tagen“ mit der Walküre, Siegfried und Götterdämmerung.

MVRW Billet entrée Première Siegfried_29.08.1876

Nach einer riesigen dichterischen und dramaturgischen Arbeit, die mehr als fünf Jahre in Anspruch genommen hat, stellt Richard Wagner sein aus vier Teilen bestehendes Gedicht Der Ring des Nibelungen zwischen dem 16. und 19. Februar 1853 im Züricher Hotel Baur au Lac an vier aufeinanderfolgenden Abenden einem ausgesuchten Publikum vor, darunter zahlreichen Intellektuellen sowie einflussreichen Persönlichkeiten aus dem Bereich der Kunst, wie z. B. seinen Mäzenen Otto und Mathilde Wesendonck. Die Gedichte werden zunächst vom Autor selbst herausgegeben, welcher sie seinen Freunden August Röckel und Franz Liszt zukommen lässt. Zwar liegt es Letzterem fern, seinen Freund entmutigen zu wollen, jedoch äußert er einige Vorbehalte, was die Musikinszenierung der Zeit betrifft.

MVRW Leitmotive RingWagner aber lässt sich vom Pessimismus des Franz Liszt nicht beeinflussen und beginnt noch im September 1853 mit seiner Komposition. Auch wenn ihm manche Themen schon im Entwurf vorlagen, ging es nunmehr darum, die verschiedenen Teile wie bei einem Puzzle zu einem kohärenten Gesamtwerk zusammenzufügen. Im Laufe dieser Arbeiten, während der es zwischen 1857 und 1864 nach dem Entwurf der Komposition des 2. Akts des Siegfried aufgrund von Tristan und Isolde sowie der Meistersinger von Nürnberg zu einer Unterbrechung kommt, verwendet Wagner sowohl regelmäßig Leitmotive und Phrasen, welche Personen, Gegenstände, Vorstellungen und Konzepte charakterisieren, und arbeitet eine Partitur aus wie vor ihm kein anderer Komponist.

Obwohl 16 Stunden Götter, Riesen, Zwerge und Helden miteinander um das Gold, das Symbol der Allmacht, kämpfen, bleibt die Erlösung durch die Liebe das zentrale und immer wiederkehrende Thema, welches Wagner schon immer lieb und teuer war und das er schon im Fliegenden Holländer und im Tannhäuser hervorhob. So kommt es auch ganz am Ende der Götterdämmerung zu einer Apotheose, einer überwältigenden Verklärung der Liebe.

Als Wagner 1864 dem bayerischen König Ludwig II., welcher zu seinem größten Mäzen wird, begegnet, befasst er sich wieder mit seinem Vorhaben, ein für diesen Zyklus – zunächst als vergänglich gedachtes – Theater zu erbauen. An dieser Stelle ist anzumerken, dass dank seines königlichen Förderers nunmehr sogar die verrücktesten Träume (oder zumindest einige davon) möglich sind. Die Verhandlungen lassen sich eher gut an, so dass man 1864 damit beginnt, näher über das Projekt nachzudenken, Pläne zu erstellen und sich den wildesten Spekulationen hinzugeben. Die Feindschaft, die das bayerische Volk Wagner entgegenbringt, führt jedoch zu einer Verschlechterung des Verhältnisses zwischen dem Komponisten und seinem König, so dass das ursprünglich für München angedachte Vorhaben nicht weiterverfolgt wird.

MVRW Festtheater Munich

Während er in Tribschen die Komposition des Siegfried beendet und mit der der Götterdämmerung beginnt, träumt Wagner jedoch erneut davon, zum Baumeister zu werden. Der junge Philosoph Friedrich Nietzsche erstellt an seiner Seite einen ersten Essai mit dem Titel Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik. Musiker und Philosoph sind sich darin einig, dass es für das Theater – die Vorstellung des Werks auf der Bühne und das Gebäude selbst betreffend – einer Rückkehr zur Antike bedarf: ein weitläufiges Amphitheater nämlich, in dem Adlige, Bürger, Studenten und Arbeiter ganz im Gegensatz zu den in Theatern italienischen Stils vorhandenen Logen – alle ohne sozialen Unterschied nebeneinander sitzen und sich in einer fast totalen Dunkelheit ausschließlich auf das konzentrieren, was auf der Bühne geschieht.

Zur größten Empörung des Komponisten entscheidet König Ludwig II. von Bayern jedoch, dass Das Rheingold am 22. September 1869 sowie Die Walküre am 26. Juni 1970 uraufgeführt wird. Der darüber sehr wütende Wagner blieb natürlich beiden Vorstellungen fern.

Um der Rechtsprechung des bayerischen Königreichs zu entkommen (die Aufführungsrechte für die ersten beiden Opernteile lagen in der Tat bei Ludwig II.), in dem Der Ring des Nibelungen nicht nach den Vorstellungen des Meisters aufgeführt werden konnte, denkt Wagner über einen Bau in einer anderen Gegend nach. Seine Wahl fällt schließlich auf Bayreuth in Oberfranken.

MVRW RichtfestDank zahlreicher Konzerte, privater Mäzene und seiner Freunde gelingt es Wagner schließlich, an seinem 59. Geburtstag am 22. Mai 1872 mit viel Pomp die Grundsteinlegung für sein Bayreuther Festspielhaus vorzunehmen.

Nach und nach nimmt das Gebäude dann Gestalt an, so dass die Vorstellungen des ersten Zyklus für 1875 (die Proben hierfür fanden bereits ab 1874 statt) geplant waren. Mit der Zeit wächst sich die Finanzierung des Projekts jedoch zu einem wahren Desaster aus. Ludwig II entscheidet sich jedoch – trotz des vorübergehenden Streits – dafür, seinem Schützling unter die Arme zu greifen, so dass es – mit einer Verspätung von einem Jahr – am 13. und 17. August 1876 unter der musikalischen Leitung des Getreuen Hans Richter trotzdem zur Aufführung des ersten Zyklus im nunmehr fertiggestellten Bayreuther Festspielhaus kommen kann, wobei die Inszenierung der vier Teile von Wagner selbst geleitet wurde.

MVRW NEUMANN AngeloAnschließend war es – im Rahmen des Bayreuther Festivals – die Aufgabe des Impresario und Theaterdirektors Angelo Neumann, dem Ring des Nibelungen zu Bekanntschaft zu verhelfen. An der Spitze des Wagner Traveling Theaters stellt er das Werk und seine Inszenierung inklusive der Bühnenbilder und Kostüme der ersten Ausgabe des Bayreuther Opernfestivals in den damaligen Kulturhauptstädten Europas vor, so dass sich die vier Opern des Zyklus schon ab dem Ende des 19. Jahrhunderts (1892 im Covent Garden Theater in London, 1898 in der Berliner Oper) bzw. ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts (1901 in Brüssel) als wichtigste Werke des Repertoires durchsetzen.

Obwohl alle vier Teile in der Regel in einem Zyklus zur Aufführung gelangen, kommt es dennoch dazu, dass einzelne Opern (insbesondere Die Walküre, die beliebteste) es außerhalb des Zyklus auf die Bühne schaffen.

Beim Bayreuther Opernfestival ist der komplette Zyklus des Rings des Nibelungen seit 1876 fast jedes Jahr präsent.

NC.

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Das Rheingold Vorspiel
Einzug der Götter in Walhall
Die Walküre – Liebesduett (Akt 1)
Die Walküre  – Walkürenritt
Die Walküre  – Wotans Abschied
Siegfrieds Schmiedelied (Notung)
Siegfried Rheinfahrt
Siegfrieds Todesmarsch
Götterdämmerung : Schlussszene

 

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